Firmengeschichte
Vorgeschichte:
Im 2. Weltkrieg musste Franz van Horn mit 22 Jahren als Niederländer zwangsweise in Deutschland arbeiten (Zwangsarbeiter) und wurde bei der deutschen Familie Dautzenberg in Broichweiden untergebracht. Dort lernte er seine spätere Frau Helene Dautzenberg kennen. Mit Glück und mutigem Geschick brachte er als niederländischer Zwangsarbeiter seine neue angeheiratete deutsche Familie mit 3 kleinen Kindern, seiner späteren Frau Helene und seiner Schwiegermutter Margarete Dautzenberg durch die Kriegswirren. Das Familienoberhaupt, Johann Dautzenberg, verstarb schon am Heiligen Abend 1939 mit nur 41 Jahren an einer Krankheit. Von seiner niederländischen Familie im nahen Grenzort Eygelshoven/NL wurde er getrennt und verlor in dieser Zeit auch noch seine Mutter.
Die Großeltern der deutschen und niederländischen Familien sind in den 1880/90er Jahren geboren und hatten schon den 1. Weltkrieg durchleben müssen, wobei der Begriff Weltkrieg noch nicht bekannt war.
Franz van Horn und sein Vater Christiaan Franciscus van Horn (*2. Juni 1889), der aus Amsterdam stammte, waren als Schlosser im Steinkohlebergbau in Eygelshoven/NL tätig. Der deutsche Großvater Johann Dautzenberg (*2.Mai 1898) war ebenfalls Schlosser im Bergbau. Der Steinkohlebergbau war in der Grenzregion B/NL/D bei Aachen der Wirtschaftsmotor und ein großer Arbeitgeber.
Niederländische Großmutter: Maria Elisbeth van Horn geb. Wynen
Deutsche Großmutter: Magarethe Dautzenberg geb. Wolter
Wie wurde die Familie Franz van Horn zum Unternehmen im Verkehrsgewerbe?
Unter Lebensgefahr widersetzte er sich den Anweisungen der deutschen Besatzer und Befehlshaber in den Niederlanden. Er sprang in Herzogenrath aus dem Zug und meldete sich ohne Papiere bei einem "Amt" in Bardenberg, wo per Zufall der damalige Leiter der Molkerei in Vorweiden, Johann (Schang) Mennicken, anwesend war. Herr Mennicken benötigte dringend LKW Fahrer, dadurch strandete Franz van Horn in Broichweiden.
In der Molkerei arbeitete er im Krieg als LKW Fahrer und holte die Kuhmilch in Kannen bei den Landwirten ab.
Seit 1948 waren Franz van Horn und seine Frau Helene selbständig im Verkehrsgewerbe tätig. Von einer kleinen Spedition im Molkereigewerbe über Taxen Anfang der 60er Jahre, wurde der erste Omnibus 1967 angeschafft.
Der erste Sohn Franz-Josef van Horn half in seiner Jugend im kleinen Familienunternehmen mit, bevor er dann Ende der 1960er Jahre nach Daimler-Benz in den LKW-Verkauf wechselte.
Der zweite Sohn Hans van Horn war auch von Anfang an beim Aufbau des kleinen Familienbetriebes beteiligt.
Unter dem Namen „DEILÄNDERECK-REISEN“ fuhren die Busse durch unsere Nachbarländer.
Auch der Schüler- und Linienverkehr im ÖPNV wurde von der Fa. VAN HORN bedient.
Im Jahr 1978 kam der dritte Sohn Dieter van Horn im Alter von 20 Jahren in das Unternehmen und gestaltete die weitere Entwicklung und Ausbau den Reiseverkehrs. Im Januar 1981 machte er dann im Alter von 23 Jahren den Personenbeförderungsschein, den heutigen Omnibusführerschein. Erfahrungen im Nahverkehr und im ÖPNV gehörten zum Tagesgeschäft. Im Sinne der Weiterentwicklung des Unternehmens wollte er aktive Erfahrungen im Reiseverkehr sammeln. Direkt im ersten Jahr chauffierte er die Reisebusse nach London, Paris, Rom, Provence...... usw.!
Am 30. Juli 1990 verstarb Franz van Horn im Alter von nur 71 Jahren, seine Frau Helene folgte ihm tragischerweise schon im Februar 1992 mit 68 Jahren.
Um den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Omnibusunternehmens zu sichern, gründete Dieter van Horn im Jahr 1991 die VAN HORN Bus- & Reiseservice GmbH. 1997 erfolgte der Umzug in das neue Firmengelände im Gewerbegebiet Aachener Kreuz, Schumanstraße 27, in Würselen.
Dieter van Horn trennte sich schon 1995 vom Schülerverkehr und dem ÖPNV.
Das aktive Geschäftsmodel konzentrierte sich nun auf den Reise- und Ausflugsverkehr.
Da es keinen Nachfolger gab und in der Familie kein weiteres Interesse bestand, entschloss sich Dieter van Horn, als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer, sein Unternehmen sozialverträglich über mehrere Jahre auslaufen zulassen. Die qualifizierten Mitarbeiter/innen gingen über die Jahre in Rente oder wurden von
"Euregio Tours" übernommen.
An dieser Stelle gebührt den vielen, treuen Mitarbeiter/innen ein großes Dankeschön. Ohne tatkräftige "Mitarbeit" kann ein Unternehmen in dieser Branche nicht gut bestehen, denn man hat in der Personenbeförderung tausende Kontakte zu den Kunden bzw. Fahrgästen.
Im September 2017, mit der Abschlussfahrt einer 10er Klasse der Realschule Würselen nach Canterbury/England, fuhr der letzte Fernreisebus der VAN HORN Bus- & Reiseservice GmbH, der von Dieter van Horn chauffiert wurde, über die Straßen Europas.
Nach einer Entwicklung von über 80 Jahren, die mit den Wirren des 2 Weltkrieges begann, stellte sich eine emotionale Mischung aus Freude und Wehmut ein.
